Veröffentlicht: 22. September 2026

Google Fonts: 50.000 deutsche Firmenseiten im Check

Google Fonts und DSGVO: Ich habe 50.000 Websites deutscher Betriebe geprüft. Fast jede fünfte lädt ihre Schriften noch bei Google. So prüfst du deine.

Daniils Visnakovs
· Lesedauer: 8 Min.

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Viele Websites holen sich ihre Schrift bei Google Fonts. Das ist bequem und kostenlos, hat aber einen Haken: Bei jedem Besuch landet die IP-Adresse deines Besuchers bei Google. Im Januar 2022 hat das Landgericht München I entschieden, dass eine Website, die Google Fonts so einbindet, die IP-Adresse ihrer Besucher ohne Rechtsgrundlage an Google überträgt. Danach kam eine Welle von Abmahnschreiben, und viele Betriebe haben ihre Seite umbauen lassen.

Ich wollte wissen, wie viel davon heute wirklich angekommen ist. Also habe ich nachgezählt: 50.000 zufällig ausgewählte Websites deutscher Betriebe, jede einzeln geprüft. Nichts geschätzt, nichts hochgerechnet.

Kurz gesagt: 18,7 % der erreichbaren Seiten laden ihre Schriften weiterhin bei Google. Das ist fast jede fünfte. Ob deine Seite dazugehört, siehst du mit meinem Google Fonts Checker in ein paar Sekunden, ohne Anmeldung.

Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass das vor allem kleine Betriebe betrifft. Große Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung, dachte ich, haben das längst erledigt. Deshalb habe ich zum Vergleich 706 große deutsche Unternehmen mitgeprüft: Konzerne aus DAX und MDAX, dazu Versicherer, Banken, Autohersteller und Chemie. Dort sind es 10,1 %, also etwa jede zehnte Seite.

Der Abstand ist da. Er ist nur viel kleiner, als ich dachte. Viereinhalb Jahre nach dem Urteil lädt jeder zehnte Konzernauftritt in Deutschland seine Schriften immer noch bei Google.

1. Google Fonts in Zahlen: 18,7 % laden noch bei Google

Kurz zur Sache, ohne Fachchinesisch. Google bietet eine große Auswahl an Schriften kostenlos an. Viele Baukästen und Designvorlagen holen diese Schriften bei jedem Seitenaufruf direkt von Googles Servern. Dafür muss der Browser deines Besuchers bei Google anfragen, und schon kennt Google seine IP-Adresse. Die Alternative ist simpel: Die Schriftdateien liegen auf deinem eigenen Webspace, genau wie deine Bilder. Dann bekommt Google davon nichts mit.

So sieht die Zählung aus:

  • Von 50.000 Adressen waren 38.065 erreichbar.
  • Bei 26.248 davon war das Ergebnis eindeutig. 6.722 dieser Seiten laden Schriften bei Google.
  • Bei 11.817 Seiten konnte der Check nicht sicher sagen, ob Google Fonts drinstecken.

Die unklaren Seiten einfach wegzulassen wäre bequem. Die Quote wäre dann aber zu hoch, weil unter diesen Seiten deutlich weniger Google-Nutzer sind. Das habe ich nachgemessen und sauber eingerechnet (die Details stehen weiter unten, für alle, die es genau wissen wollen). Heraus kommen 18,7 %.

Bei den großen Unternehmen habe ich genauso gerechnet: 706 geprüft, 540 davon erreichbar, Ergebnis 10,1 %.

Welche Branchen am häufigsten betroffen sind

Spannender als die Gesamtzahl ist der Blick auf die einzelnen Branchen.

BrancheSeiten mit klarem Ergebnisdavon laden bei GoogleAnteil
Restaurants3.5121.13832,4 %
Physiotherapie3159730,8 %
Hotels1.00429129 %
Bäckereien2386728,2 %
Friseure55415427,8 %
Cafés65918227,6 %
Firmen (allgemein)1.58742326,7 %
Schreinereien1534026,1 %
Optiker2346025,6 %
Zahnarztpraxen58114825,5 %
Floristik1744123,6 %
Kfz-Werkstätten50611723,1 %
Arztpraxen1.10325423 %
IT-Dienstleister2786021,6 %
Kanzleien2685620,9 %
Apotheken6438913,8 %

Eine Anmerkung zum Lesen der Tabelle: Hier zähle ich nur Seiten mit eindeutigem Ergebnis, damit sich die Branchen fair vergleichen lassen. Der passende Vergleichswert ist deshalb nicht die Gesamtquote von oben, sondern 25,6 %. So hoch ist der Anteil unter allen eindeutig geprüften Seiten.

Bei Restaurants laden 32,4 % der Seiten ihre Schrift bei Google, bei Apotheken nur 13,8 %. Dazwischen liegen 19 Prozentpunkte. Mit Zufall hat das nichts zu tun, und auch nicht mit Schlamperei. Es hängt fast ganz davon ab, mit welchem Baukasten oder welcher Designvorlage die Seite gebaut wurde und wann zuletzt jemand daran gearbeitet hat.

Die Schrift, die ich am häufigsten gefunden habe, ist übrigens Open Sans, mit 1.627 Fundstellen.

2. Warum die Schrift oft noch bei Google hängt, obwohl umgebaut wurde

Noch aufschlussreicher als das Ob ist das Wie. Insgesamt habe ich 10.276 Verweise auf Google Fonts gefunden, manche Seiten haben gleich mehrere. So verteilen sie sich:

  • Die Schrift ist komplett bei Google eingebunden, der klassische Fall: 3.983 (39 %)
  • Ein Hinweis im Kopfbereich der Seite, der den Browser schon mal bei Google anklopfen lässt: 3.277 (32 %)
  • Ein Google-Verweis irgendwo sonst im Code der Seite: 1.621 (16 %)
  • Ein Verweis in einer Design-Datei der Seite: 914 (9 %)
  • Die Schriftdatei selbst kommt direkt von Google: 481 (5 %)

Nur 39 Prozent sind also der klassische Fall. Der große Rest sind Überbleibsel. Oft ist es ein Hinweis im Kopfbereich der Seite, den beim Umbau niemand gelöscht hat. Manchmal eine alte Design-Datei (die CSS-Datei, in der Farben und Schriften festgelegt sind), die keiner mehr anfasst, oder ein Baustein aus der Designvorlage, der einfach drin geblieben ist. Von außen sieht die Seite umgebaut aus. Im Hintergrund geht die Anfrage an Google trotzdem weiter raus.

Ein fairer Einwand: Ist so ein Anklopfen überhaupt ein Problem, wenn danach gar keine Schrift von Google geladen wird? Beim sogenannten preconnect baut der Browser die Verbindung zu Google trotzdem auf, und damit hat Google die IP-Adresse deines Besuchers. Ob das rechtlich genauso schwer wiegt wie ein kompletter Schriftabruf, kann ich nicht beurteilen. Deshalb zeige ich die Aufteilung hier offen und verstecke sie nicht im Kleingedruckten. Du sollst selbst sehen können, welcher Fall bei dir vorliegt.

3. Was du jetzt tun solltest

Steht deine Branche in der Tabelle weit oben, lohnt sich ein Blick auf deine Seite besonders. Der Weg raus ist kurz und kostet nichts außer etwa einer Stunde Arbeit. Pflegst du deine Website nicht selbst, schick diese Schritte einfach an die Person, die sie für dich betreut.

  1. Prüfen. Gib deine Startseite in den Google Fonts Checker ein. Findet er etwas, zeigt er dir auch, wo der Verweis sitzt: direkt im Code der Seite oder in einer Design-Datei.
  2. Schriften herunterladen. Nur die Schriftstärken, die deine Seite wirklich benutzt. Zwei bis vier Dateien reichen fast immer. Die ganze Schriftfamilie in neun Stärken brauchst du nicht.
  3. Auf den eigenen Webspace legen. Die Dateien kommen auf deine eigene Domain, und die Seite verweist ab jetzt dorthin statt zu Google. Für die Person, die das umsetzt: Den Google-Import durch eigene @font-face-Regeln ersetzen.
  4. Den alten Google-Verweis löschen. Hier passiert der häufigste Fehler. Die eigene Schrift wird ergänzt, aber der alte Aufruf bleibt in der Designvorlage stehen. Dann lädt die Seite weiter bei Google.
  5. Noch einmal prüfen. Am gründlichsten geht das im Browser selbst: Rechtsklick auf die Seite, „Untersuchen“ wählen, dort den Reiter „Netzwerk“ öffnen und nach „fonts.g“ filtern. Seite neu laden. Kein Treffer heißt: fertig.

Bei WordPress steckt der Google-Aufruf meistens in der Designvorlage (dem Theme) oder in einem Seitenbaukasten, nicht in einer eigenen Datei. Es gibt Plugins, die Schriften auf deinen eigenen Webspace holen, und die erledigen den Umbau. Prüf danach trotzdem noch einmal nach. Kommt der Aufruf aus einem Bilder-Slider oder einem Formular-Zusatz, erwischen Plugins ihn nicht immer.

Ein Cookie-Banner löst das Problem übrigens nicht. Es müsste die Schrift zuverlässig blockieren, bis jemand zustimmt. Lehnt ein Besucher ab, springt dann sichtbar die Schrift um. Die Schriften auf dem eigenen Webspace sind der robustere Weg.

Für Technik-Interessierte: So habe ich gemessen

Diesen Teil kannst du getrost überspringen. Er ist für alle, die die Zahlen nachrechnen wollen. Die Methode ist absichtlich langweilig, damit das auch geht. Alle Zahlen gibt es außerdem als offenen Datensatz mit Download als CSV und JSON, zum Zitieren und Weiterrechnen.

  • Woher die Adressen kommen: aus OpenStreetMap, der freien Online-Karte. Dort sind 350.146 deutsche Betriebe mit eigener Website eingetragen, also Restaurants, Arztpraxen, Handwerksbetriebe, Kanzleien, Hotels, Werkstätten, Friseure, Apotheken und viele mehr. Keine Konzerne, keine handverlesene Auswahl und keine Liste aus Suchergebnissen.
  • Stichprobe: Daraus habe ich 50.000 Adressen per Zufall gezogen.
  • Prüfung: Jede Seite wurde einmal von meinem Server aus abgerufen, nicht in einem normalen Browser. Geprüft habe ich den Code der Seite (HTML) und bis zu 20 damit verknüpfte Design-Dateien (Stylesheets), auch wenn sie auf fremden Servern liegen. Gesucht habe ich nach Verweisen auf die beiden Adressen von Google Fonts, fonts.googleapis.com und fonts.gstatic.com.
  • Nicht erreichbar: 11.935 Adressen waren nicht erreichbar. Die fallen raus, denn die kann niemand bewerten.
  • Unklar: 11.817 Seiten lieferten kein eindeutiges Bild. Die habe ich nicht weggelassen, sondern nachgemessen.
  • Was der Check nicht sieht: Inhalte, die erst nachträglich per JavaScript geladen werden, Unterseiten, Login-Bereiche und alles, was erst nach einer Auswahl im Cookie-Banner passiert. Die Quote ist damit eher eine Untergrenze als eine Übertreibung.

Warum die unklaren Fälle nicht einfach wegfallen dürfen. Der Check meldet „lädt bei Google“, sobald er irgendwo einen Verweis findet, oft schon im HTML. Seiten mit Google Fonts sind deshalb meist sofort entschieden. Unklar bleibt vor allem, wer keinen Treffer hatte, bei dem sich aber nicht jede Design-Datei lesen ließ. Die unklaren Seiten sind also im Schnitt sauberer als der Rest. Wer sie weglässt, rechnet sich die Quote hoch.

Das ist keine Vermutung, ich habe es gemessen. 185 unklare Fälle habe ich unabhängig nachgeprüft, mit Code und allen verknüpften Design-Dateien. 6 davon nutzen Google Fonts, also 3,2 % statt der 25,6 % unter den eindeutigen Fällen. Mit diesem gemessenen Anteil fließen die unklaren Fälle in die Gesamtquote ein. Bei den großen Unternehmen habe ich dieselbe Gegenprobe gemacht: 4 von 175, also 2,3 %.

Gegenprobe bei den Treffern. 50 zufällig ausgewählte Seiten mit dem Ergebnis „lädt bei Google“ habe ich noch einmal unabhängig durchsucht. Alle 50 waren echte Treffer, keine einzige Fehlmeldung. Bei den großen Unternehmen habe ich alle 48 Treffer geprüft: 46 bestätigt, einer nicht erreichbar, einer nicht bestätigt.

Zum Anklopfen per preconnect. Mit diesem Hinweis im Seitenkopf löst der Browser die Adresse von Google vorab auf und baut schon die verschlüsselte Verbindung auf (DNS-Auflösung und TLS-Handshake), auch wenn danach keine Schrift geladen wird. Die zweite Variante in dieser Gruppe heißt dns-prefetch.

Fazit

  • 18,7 % der erreichbaren deutschen Firmenseiten laden ihre Schriften weiterhin direkt bei Google. Fast jede fünfte.
  • Bei großen Unternehmen sind es 10,1 %. Der Abstand ist real, aber die Abmahnwelle von 2022 hat auch dort nur teilweise gewirkt, wo eine Rechtsabteilung sitzt.
  • Je nach Branche liegt der Anteil zwischen 13,8 % und 32,4 %. Das folgt vor allem dem Baukasten und der Designvorlage, nicht der Sorgfalt des Betriebs.
  • Oft ist es nur ein vergessener Rest vom letzten Umbau. Die komplette Einbindung macht nur 39 Prozent der Verweise aus.
  • Der Umbau auf Schriften vom eigenen Webspace ist etwa eine Stunde Arbeit. Die Prüfung dauert zehn Sekunden: Google Fonts Checker.

Stand der Erhebung: 22. September 2026. Ich bin kein Anwalt, und dieser Text ist keine Rechtsberatung. Er zeigt dir nur, was technisch auf deiner Seite passiert.


Daniils Visnakovs

Über den Autor

Daniils Visnakovs

Unabhängiger Sparringspartner für Google-Ads-Wirtschaftlichkeit und Messqualität. Für Google hat Daniils technische Messimplementierungen umgesetzt. Heute hilft er Teams, bessere Entscheidungen zu treffen und das Wissen selbst zu behalten — in 1:1 Beratung, Workshops oder auf der Bühne.