Veröffentlicht: 27. September 2026
Firmenwebsites 2026: 50.000 deutsche Betriebe im Check
Zertifikatswarnung, kein Kontaktweg, kein Impressum-Link: ich habe 50.000 Websites geprüft. So oft fehlen die Grundlagen, so prüfst du deine.
Für die meisten Betriebe ist die Website die digitale Visitenkarte. Wer dich über Google findet, landet oft zuerst dort. Damit daraus ein Anruf oder eine Anfrage wird, muss die Seite ein paar Grundlagen erfüllen: Sie öffnet sich ohne Warnung, zeigt einen Weg zur Kontaktaufnahme und verlinkt Impressum und Datenschutz.
Nach meiner Google-Fonts-Studie und der Studie zu Tracking vor der Einwilligung habe ich mir dieselben 50.000 zufällig gezogenen Website-Adressen deutscher Betriebe ein drittes Mal angesehen. Diesmal nur die Grundlagen.
Kurz gesagt:
- Bei 5,1 % der Adressen ist das Zertifikat fehlerhaft. Wer eine dieser Seiten aufruft, sieht in aller Regel eine Warnung statt der Startseite: Von 100 dieser fehlerhaften Adressen, die ich in Chrome geöffnet habe, zeigte Chrome bei 99 die Warnung. Bei weiteren 2,7 % kommt keine verschlüsselte Verbindung zustande.
- 6,6 % der Startseiten bieten keinen der üblichen klickbaren Kontaktwege. Bei 3,8 % steht nicht einmal eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse als Text da.
- 7 % der Startseiten verlinken kein Impressum. Bei rund 4,9 % hat auch meine Nachsuche keines gefunden.
Das klingt nach wenig. Allein unter den 350.146 Einträgen von Betrieben mit Website-Adresse in OpenStreetMap wären das aber jeweils viele Tausend Seiten, bei denen Kunden an einer ganz einfachen Stelle hängen bleiben können.
1. Firmenwebsite-Check: Wie leicht dich Kunden erreichen
Die wichtigste Aufgabe einer Firmenwebsite ist, dass sich jemand meldet. Viele Besucher kommen über das Handy. Eine Telefonnummer, die man antippen kann, ist dort der bequemste Weg zum Anruf.
So sieht es auf den 37.393 Startseiten aus, deren Inhalt sich auswerten ließ. Gezählt ist, was im Quelltext der Startseite steht:
- Link zu einer Kontaktseite: 78,3 %
- E-Mail-Adresse als Link: 48,2 %
- Telefonnummer als Link zum Antippen: 44 %
- Anfrageformular direkt auf der Startseite: rund 17,6 % (im Browser nachgeprüft)
- Hinweis auf einen bekannten Anbieter für Online-Termine oder Buchungen: 4,6 %
- WhatsApp-Link: 4,5 %
Was erst per JavaScript nachgeladen wird, steht nicht im Quelltext. Einige Seiten haben diese Wege also trotzdem. Ob ein Link funktioniert und wohin er führt, habe ich nicht getestet.
Das Auffällige ist die Telefonnummer. Nur auf 44 % der Startseiten steht im Quelltext eine Nummer, die man auf dem Handy antippen kann. Selbst wenn ein Teil der übrigen Seiten sie erst per JavaScript nachlädt, fehlt sie auf einem großen Teil. Manche Handys erkennen eine als Text geschriebene Nummer zwar selbst, verlassen solltest du dich darauf nicht.
Wie groß die Unterschiede sind, zeigt der Blick auf die Branchen:
| Branche | Startseiten | Telefon-Link | WhatsApp-Link | Termin-/Buchungsanbieter |
|---|---|---|---|---|
| Apotheken | 934 | 78,2 % | 6,1 % | 0,4 % |
| Reisebüros | 222 | 63,5 % | 26,1 % | 3,6 % |
| Zahnarztpraxen | 838 | 61,9 % | 3,5 % | 29,1 % |
| Sanitär & Heizung | 165 | 61,2 % | 2,4 % | 3,6 % |
| Autohäuser | 584 | 60,3 % | 11,1 % | 0,2 % |
| Makler | 267 | 60,3 % | 5,6 % | 0,7 % |
| Elektrobetriebe | 176 | 59,1 % | 1,1 % | 0,6 % |
| Kfz-Werkstätten | 713 | 57,4 % | 8,6 % | 0,3 % |
| Fahrschulen | 327 | 53,2 % | 13,5 % | 1,2 % |
| Hotels | 1.518 | 53,2 % | 3 % | 14,1 % |
| Optiker | 361 | 53,2 % | 6,1 % | 1,7 % |
| Möbel | 199 | 49,2 % | 7,5 % | 4 % |
| Kanzleien | 357 | 48,2 % | 2 % | 0,8 % |
| Restaurants | 4.517 | 47,5 % | 3,5 % | 7,9 % |
| Arztpraxen | 1.531 | 47 % | 1,4 % | 21,9 % |
| Kosmetik | 294 | 46,6 % | 15,6 % | 12,2 % |
| Friseure | 689 | 46 % | 6,4 % | 7,1 % |
| IT-Dienstleister | 399 | 45,9 % | 2 % | 1,5 % |
| Steuerberatung | 189 | 45,5 % | 0,5 % | 0,5 % |
| Physiotherapie | 439 | 45,3 % | 3,6 % | 3,9 % |
| Schreinereien | 202 | 44,1 % | 4,5 % | 0,5 % |
| Floristik | 233 | 42,1 % | 3,9 % | 0,4 % |
| Firmen (allgemein) | 2.415 | 42 % | 3,4 % | 0,9 % |
| Imbiss | 560 | 35,2 % | 2 % | 0,9 % |
| Bäckereien | 324 | 33 % | 1,9 % | 0 % |
| Bekleidung | 519 | 32,2 % | 5,2 % | 2,1 % |
| Cafés | 921 | 31,2 % | 3,1 % | 4,2 % |
| Pensionen | 636 | 30,5 % | 2,2 % | 6,6 % |
| Metzgereien | 270 | 30,4 % | 1,5 % | 0 % |
Die Werte zeigen, was im Quelltext der Startseiten erkannt wurde. Apotheken liegen beim Telefon-Link mit 78,2 % ganz vorne, Metzgereien mit 30,4 % ganz hinten. WhatsApp-Links finden sich vor allem bei Reisebüros (26,1 %), in der Kosmetik (15,6 %) und bei Fahrschulen (13,5 %). Hinweise auf Termin-Anbieter sind bei Zahnarztpraxen (29,1 %) und Arztpraxen (21,9 %) verbreitet, bei den Handwerksbetrieben in der Tabelle liegen sie unter vier Prozent.
Und dann gibt es Startseiten ohne jeden der üblichen Kontaktwege. Im Quelltext fehlte bei 9 % der Startseiten jeder der üblichen Kontaktwege. 174 davon habe ich im Browser geöffnet und bis nach unten gescrollt. Hochgerechnet bieten rund 6,6 % der Startseiten keinen der geprüften klickbaren Wege (Spanne 4,4 % bis 8,5 %): keinen Telefon-Link, keinen E-Mail-Link, kein Formular, keinen WhatsApp-Link und keinen Link zu einer Kontaktseite. Bei rund 3,8 % der Startseiten stand auch keine Telefonnummer und keine E-Mail-Adresse als Text da. Eine Postanschrift oder Links zu sozialen Netzwerken habe ich dabei nicht gezählt.
2. Zertifikat und Pflege: Woran Besucher zuerst hängen bleiben
Bevor jemand deine Kontaktdaten sucht, muss sich die Seite erst mal öffnen. Von 49.628 Website-Adressen lieferten 38.958 (78,5 %) eine verschlüsselte Seite ohne Fehler. Der Rest verteilt sich so:
- 2.554 Adressen (5,1 %): Zertifikatsfehler. Bei 1.544 passt der Name im Zertifikat nicht zur Adresse, 627 Zertifikate sind abgelaufen, 383 selbst ausgestellt. Ob Besucher dann wirklich eine Warnung sehen, habe ich an 100 zufällig ausgewählten dieser Adressen in einem normalen Chrome-Browser geprüft: 99 hat Chrome abgewiesen. Statt der Startseite erscheint dann „Ihre Verbindung ist nicht privat“, weiter geht es nur über „Erweitert“.
- 1.333 Adressen (2,7 %): verschlüsselt kommt keine Verbindung zustande, unverschlüsselt antwortet der Server. In einer Stichprobe zeigten 43 von 60 dieser Adressen über http eine Seite mit nennenswertem Text (mehr als 200 Zeichen), die übrigen fast nichts. Hochgerechnet erscheint also bei rund 955 Adressen (1,9 %) eine Seite nur unverschlüsselt. Chrome markiert solche Seiten in der Adresszeile als „Nicht sicher“.
Ein naheliegender Verdacht: Vielleicht funktioniert ja die Variante mit „www.“ davor. Bei den 100 Adressen mit Zertifikatsfehler lud Chrome die Variante mit „www.“ 23 Mal ohne Warnung.
Warum ein Zertifikat abgelaufen ist oder nicht zur Adresse passt, sieht man von außen nicht. Mögliche Gründe sind eine automatische Verlängerung, die nicht mehr läuft, oder ein Anbieterwechsel, bei dem eine alte Einstellung hängen geblieben ist.
Das Copyright-Jahr verrät mehr, als man denkt
14.891 Startseiten nennen im Quelltext ein festes Jahr neben dem Copyright-Zeichen, etwa „© 2026“. 19,8 % davon zeigen 2023 oder früher, 9,7 % sogar 2020 oder früher. Rechtlich spielt das keine Rolle, und manche Betriebe nennen dort absichtlich ihr Gründungsjahr. Auf Besucher kann ein altes Jahr trotzdem wirken, als hätte sich lange niemand um die Seite gekümmert.
Dazu passt: 6,2 % der Startseiten fehlt die Viewport-Angabe, mit der sich eine Seite an Handy-Bildschirme anpasst. Ohne sie stellen viele Handy-Browser eine Seite in einer breiteren, virtuellen Ansicht dar und verkleinern sie auf den Bildschirm, so beschreibt es die Entwicklerdokumentation von Mozilla.
Übrigens: Mit Abstand am häufigsten sind die Seiten mit WordPress gebaut, bei 39,9 % der erreichbaren Startseiten. Das ist weder gut noch schlecht. Es heißt nur, dass Aktualisierungen und Erweiterungen regelmäßig gepflegt werden müssen.
3. Impressum und Datenschutz: Was auf der Startseite fehlt
Wer geschäftsmäßig eine Website betreibt, muss in aller Regel ein Impressum haben. Nach § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes müssen die Angaben „leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar“ sein. Üblich ist deshalb ein Link im Fußbereich jeder Seite.
Im Quelltext fehlte dieser Link auf 9,5 % der Startseiten. Weil manche Seiten ihren Fußbereich erst per JavaScript nachladen, habe ich 80 davon im Browser geöffnet und bis nach unten gescrollt. 59 hatten wirklich keinen Link, auch bei einem zweiten, langsameren Durchgang nicht. Umgekehrt hatten alle 246 geprüften Seiten mit erkanntem Link auch tatsächlich einen. Daraus ergibt sich:
- Rund 7 % der Startseiten verlinken kein Impressum (Spanne 6 % bis 9,2 %).
- Bei einem Teil davon gibt es trotzdem eines: Von den 59 bestätigten Fällen hatten 8 eine Impressum-Seite unter einer üblichen Adresse wie „/impressum“, nur ohne Link. Bei 10 standen typische Impressum-Angaben direkt auf der Startseite.
- Bei rund 4,9 % der Startseiten hat auch diese Nachsuche nichts gefunden (Spanne 3,9 % bis 7,3 %). Gesucht habe ich unter fünf üblichen Adressen und nach typischen Angaben auf der Startseite, nicht auf der ganzen Website. Ob anderswo ein Impressum steht oder eine Pflicht verletzt ist, beurteile ich nicht.
Beim Datenschutz sieht es ähnlich aus: Rund 10,9 % der Startseiten haben keinen Link zur Datenschutzerklärung (im Browser nachgeprüft, Spanne 8,7 % bis 14,7 %).
So prüfst du deine eigene Seite in zehn Minuten
Du brauchst dafür nur dein Handy und einen Computer. Wenn du deine Website nicht selbst pflegst, schick diese Liste an die Person, die sie für dich betreut.
- Adresse ohne „www.“ eintippen. Also genau so, wie sie auf deiner Visitenkarte steht. Kommt eine Warnung wie „Ihre Verbindung ist nicht privat“, muss das Zertifikat erneuert oder für diese Adresse eingerichtet werden. Das Gleiche noch einmal mit „www.“ davor.
- Ablaufdatum des Zertifikats ansehen. Am Computer in Chrome auf das Symbol links neben der Adresse klicken, dann auf „Verbindung ist sicher“ und „Zertifikat ist gültig“. Dort steht, bis wann es gilt. Endet es bald, frag nach, ob es sich automatisch verlängert.
- Auf dem Handy deine Telefonnummer antippen. Öffnet sich die Telefon-App mit deiner Nummer, passt es. Passiert nichts, fehlt der Telefon-Link.
- Ganz nach unten scrollen. Siehst du „Impressum“ und „Datenschutz“ als Links? Und steht neben dem Copyright ein aktuelles Jahr?
- Seite auf dem Handy ansehen. Wirkt alles winzig und musst du hineinzoomen, fehlt vermutlich die Handy-Einstellung.
Einen Teil davon, etwa Telefonnummer, Handlungsaufforderung und Handy-Tauglichkeit, prüft mein kostenloser Landingpage-Check in ein paar Sekunden.
Für Technik-Interessierte: So habe ich gemessen
Diesen Teil kannst du überspringen. Er ist für alle, die nachrechnen wollen. Alle Zahlen gibt es auch als offenen Datensatz mit Download als CSV und JSON, zum Zitieren und Weiterrechnen.
- Adressen: dieselbe Zufallsstichprobe wie bei den beiden anderen Studien. 50.000 Einträge aus 350.146 deutschen Betrieben mit Website-Adresse in OpenStreetMap: Restaurants, Praxen, Handwerk, Hotels, Läden und viele mehr. Keine handverlesene Auswahl, keine Liste aus Suchergebnissen.
- Abruf: am 24.9.2026 je Adresse ein Aufruf über http (um die Weiterleitung auf https zu sehen) und ein Abruf über https mit normaler Zertifikatsprüfung, jeweils plus eventuelle Weiterleitungen, von einem Server in Deutschland. Ausgewertet wurde der Quelltext der Startseite: Links, Formulare, Baukasten-Spuren, Copyright-Jahr, Viewport-Angabe.
- Ausgeschlossen: 372 Adressen, die geparkt sind oder auf automatisch erzeugte Profilseiten eines fremden Anbieters umleiten. Basis für Verschlüsselung sind die übrigen 49.628 Adressen, auch die, unter denen gar nichts mehr antwortet.
- Zertifikate: Adressen, bei denen der Abruf an der Prüfung der Zertifikatskette scheiterte (129), zählen nicht als Zertifikatsfehler; sie habe ich im Browser nicht nachgeprüft. 1.116 Adressen mit gescheiterter https-Verbindung, deren http-Aufruf keinen Status 200 lieferte, zählen als nicht erreichbar oder nicht auswertbar.
- Basis für Kontakt und Pflichtangaben: 37.393 Startseiten mit auswertbarem Quelltext. 1.565 Seiten mit sehr wenig Text im Quelltext und Script-Code, die ihren Inhalt vermutlich per JavaScript aufbauen, sind hier nicht dabei.
- Browser-Nachprüfung: am 27.9.2026 Zufallsstichproben im echten Browser geöffnet, bis zum Seitenende gescrollt und neu geprüft. Ohne Impressum-Link: 59 von 80 bestätigt, mit Link: 246 von 246. Ohne Datenschutz-Link: 44 von 58, mit Link: 147 von 148. Ohne Kontaktweg: 128 von 174 aus 3 unabhängigen Stichproben. Die Stichproben schwankten deutlich (61,8 %, 88,2 %, 72,1 % bestätigt), deshalb reicht die Spanne dort von der niedrigsten bis zur höchsten Konfidenzgrenze der einzelnen Stichproben. Seiten, die im Browser kaum Inhalt zeigten, zählen nicht mit.
- Formulare: Der Quelltext-Abruf erkennt Formular-Erweiterungen, die oft auf jeder Seite im Code stecken, obwohl das Formular nur auf der Kontaktseite steht. Im Browser hatten nur 24 von 40 solcher Startseiten wirklich ein Formular. Deshalb steht oben der korrigierte Wert von 17,6 % statt des Rohwerts von 27,3 %.
- Korrektur: Die Gesamtwerte sind mit den bestätigten Anteilen hochgerechnet. Die Spannen ergeben sich aus den 95-%-Konfidenzintervallen der Stichproben. Branchenwerte gibt es nur für Merkmale, die im Quelltext erkannt wurden (Telefon-Link, WhatsApp-Link, Termin-Anbieter), sie sind nicht nachkorrigiert.
- Was der Test nicht sieht: Unterseiten und alles, was erst nach einer Eingabe erscheint. Ein fehlender Link auf der Startseite heißt nicht zwingend, dass die Angabe auf der ganzen Website fehlt.
Fazit
- Bei 5,1 % der Website-Adressen ist das Zertifikat fehlerhaft. Bei fast allen davon zeigt Chrome eine Warnung statt der Seite (99 von 100 nachgeprüften fehlerhaften Adressen). Bei rund 1,9 % erscheint eine Seite nur unverschlüsselt.
- Nur 44 % der Startseiten haben im Quelltext eine Telefonnummer zum Antippen. Rund 6,6 % bieten keinen der üblichen klickbaren Kontaktwege.
- Rund 7 % der Startseiten verlinken kein Impressum, rund 10,9 % keine Datenschutzerklärung.
- Jede fünfte Startseite mit Copyright-Jahr zeigt 2023 oder früher.
- Die Prüfung der eigenen Seite dauert zehn Minuten.
Stand der Erhebung: 27. September 2026. Ich bin kein Anwalt, und dieser Text ist keine Rechtsberatung. Er zeigt dir nur, was technisch auf deiner Seite passiert.
Über den Autor
Daniils Visnakovs
Unabhängiger Sparringspartner für Google-Ads-Wirtschaftlichkeit und Messqualität. Für Google hat Daniils technische Messimplementierungen umgesetzt. Heute hilft er Teams, bessere Entscheidungen zu treffen und das Wissen selbst zu behalten — in 1:1 Beratung, Workshops oder auf der Bühne.