Veröffentlicht: 29. August 2026

Warum Google Ads kaum B2B-Anfragen liefert

Viele Klicks, kaum qualifizierte B2B-Anfragen: vier übliche Ursachen, der Diagnoseweg in der richtigen Reihenfolge und drei Reflexe, die es schlimmer machen.

Daniils Visnakovs
· Lesedauer: 10 Min.

Die Frage kommt im B2B öfter als jede andere, und sie klingt fast immer gleich: „Unsere Kampagnen liefern viele Klicks, aber kaum qualifizierte Anfragen — woran liegt das?”

Die unbequeme Antwort vorweg: Fast nie an der Anzeige. Die Anzeige ist das Einzige, was man von außen sieht, deshalb wird zuerst dort geschraubt. Die Ursache liegt aber in der Regel eine Ebene tiefer — bei der Frage, welche Suchanfragen du überhaupt kaufst und was dein Konto als Erfolg gemeldet bekommt. Solange Google nicht weiß, wie ein guter Lead aussieht, liefert es zuverlässig das, was es messen kann: Formularabsendungen. Auch die schlechten.

Dieser Artikel ist der Diagnoseweg, den ich in dieser Reihenfolge abgehe. Ohne Zahlen aus fremden Konten und ohne Benchmarks, die ohnehin nichts über deinen Markt aussagen: Was hier steht, ist Mechanik.

Teil 1: Warum aus B2B-Klicks Müll wird

Vier Quellen erklären in der Praxis fast alles. Sie treten selten einzeln auf.

Konsumenten-Absicht in denselben Wörtern

Der Klassiker im B2B: Dein Fachbegriff ist gleichzeitig ein Verbraucherwort. Wer „Industriereinigung”, „Schließanlage” oder „Datenschutzbeauftragter” bucht, bekommt neben der Einkaufsabteilung auch Privatleute, die etwas ganz anderes wollen — und die konvertieren nicht schlechter, sondern besser, weil sie ein Formular unbekümmerter ausfüllen.

Verstärkt wird das durch zwei Einstellungen, die zusammen die häufigste Ursache überhaupt sind: weitgehend passende Keywords (Broad Match) plus eine dünne Ausschlussliste. Broad Match ist nicht per se schlecht, aber es ist ein Verstärker. Es dehnt dein Keyword in benachbarte Bedeutungsräume aus, und ohne Ausschlussliste sind das genau die Räume, in denen deine Zielgruppe nicht sitzt. Wer Broad Match ohne Pflege der Suchbegriffe fährt, hat keine Kampagne, sondern ein Abo.

Bewerber, Studierende und Lieferanten

Drei Gruppen klicken systematisch auf B2B-Anzeigen, ohne jemals etwas zu kaufen:

  • Bewerber. Wer nach deiner Branche plus Ort sucht, sucht manchmal einen Job, nicht einen Anbieter. Auf einer Anzeige, die „Jetzt Kontakt aufnehmen” sagt, landet dann eine Initiativbewerbung im Anfrageformular.
  • Studierende und Auszubildende. Sie recherchieren für Haus- und Abschlussarbeiten und brauchen genau das, was gute B2B-Seiten anbieten: Erklärungen, Datenblätter, Whitepaper.
  • Lieferanten und Wettbewerber. Die einen wollen dir etwas verkaufen, die anderen sehen nach, was du anbietest und was es kostet.

Keine dieser Gruppen ist ein Trackingfehler. Es sind echte Menschen mit echter Suchabsicht — nur nicht mit deiner.

Recherche statt Kaufabsicht

B2B-Kaufprozesse sind lang und laufen über mehrere Personen. Ein großer Teil der Suchen ist deshalb Recherche: Vergleichen, verstehen, intern argumentieren. Diese Klicks sind nicht wertlos, aber sie sind auch keine Anfrage. Wer sie mit derselben Erwartung einkauft wie eine Ausschreibungs-Suche, hält am Ende ein Konto für kaputt, das eigentlich nur die falsche Zielgröße hat.

Der Sonderfall davon ist der Selbermacher: Wer „selbst”, „Anleitung”, „Vorlage”, „kostenlos” oder „Muster” mitsucht, will nicht beauftragen, sondern es allein hinbekommen. Diese Suchen sind für Inhalte großartig und für eine Verkaufskampagne teuer.

Das Formular als falsche Tür

Die vierte Quelle liegt nicht in Google, sondern auf deiner Seite. Ein Formular mit Name und E-Mail lädt jeden ein, auch den, der nur eine PDF wollte. Dazu kommt der Bot- und Spam-Anteil, der in jedem offenen Formular ankommt. Für Google ist beides eine Conversion, und genau daraus lernt die Gebotsautomatik weiter.

Teil 2: Der Diagnoseweg, in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge ist wichtig. Wer sie umdreht, optimiert eine Messung, die noch das Falsche misst.

Schritt 1: Suchbegriffe lesen, nicht Keywords

Nicht der Keyword-Bericht, sondern der Suchbegriffe-Bericht — also das, was Menschen wirklich getippt haben. Nimm die letzten 30 bis 90 Tage und geh die Begriffe durch, die den meisten Klick-Anteil auf sich ziehen. Du suchst nach drei Mustern: Jobwörter (Gehalt, Stelle, Ausbildung, Praktikum), Lernwörter (was ist, Definition, Anleitung, selber) und Verbraucherwörter aus deinem eigenen Vokabular.

Das ist die einzige Analyse, aus der du ohne Vermutungen etwas lernst. Wenn du den Bericht lieber automatisch sortieren lässt, statt tausend Zeilen von Hand zu lesen: Genau dafür gibt es die Suchbegriffe-Analyse — CSV rein, verbranntes Budget und Vorschläge für Ausschlusslisten raus, ohne Kontozugriff.

Was du hier findest, wird zur Ausschlussliste. Und zwar dauerhaft: Eine Ausschlussliste ist kein Projekt, sondern eine Routine.

Schritt 2: Die Hürde am Formular prüfen

Jetzt die Gegenrichtung. Ein Formular hat eine Hürde, und die ist ein Regler mit zwei Anschlägen:

  • Zu wenig Hürde — nur Name und E-Mail, kein Kontext, kein Anlass. Ergebnis: viele Absendungen, wenige echte Vorhaben. Der Vertrieb telefoniert Luft hinterher und verliert das Vertrauen in den Kanal.
  • Zu viel Hürde — 14 Pflichtfelder, Budgetabfrage in Schritt eins, Telefonnummer als Pflicht. Ergebnis: fast nichts kommt an. Und weil fast nichts ankommt, bekommt die Gebotsautomatik zu wenig Signale, um überhaupt zu lernen.

Es gibt keinen richtigen Wert, nur eine richtige Passung: Die Hürde soll so hoch sein, dass sie den Anlass abfragt — worum es geht, für welches Unternehmen, bis wann. Wer das nicht beantworten will, wollte auch nichts kaufen. Wer es beantwortet, liefert deinem Vertrieb gleichzeitig das Gesprächsmaterial.

Ein Nebeneffekt, der leicht übersehen wird: Ein Feld wie „Worum geht es?” ist auch dein bester Spam-Filter, weil automatisierte Einträge dort erkennbar sinnlos werden.

Schritt 3: Versprechen der Anzeige gegen Versprechen der Seite halten

Öffne deine Anzeige und deine Landingpage nebeneinander und lies beide laut. Sehr oft verspricht die Anzeige etwas anderes als die Seite einlöst: Die Anzeige sagt „Angebot in 24 Stunden”, die Seite zeigt ein allgemeines Kontaktformular. Oder die Anzeige nennt eine Branche, die Seite spricht alle an.

Diese Lücke erzeugt exakt das Muster, über das sich alle wundern: gute Klickrate, viele Absendungen, schlechte Qualität. Die Anzeige zieht Leute an, die etwas Bestimmtes erwarten, und die Seite sammelt sie unspezifisch ein. Wer hier korrigiert, verliert oft Klicks und gewinnt Anfragen — was in der Klick-Statistik wie eine Verschlechterung aussieht.

Schritt 4: Dem System sagen, was ein guter Lead ist

Das ist der strukturelle Teil, und ohne ihn bleiben die Schritte davor Kosmetik. Solange jede Formularabsendung dieselbe Conversion mit demselben Wert auslöst, optimiert Smart Bidding auf Menge. Es kann gar nicht anders: Es kennt nur dieses eine Signal.

Der Ausweg heißt Lead-Phasen. Statt „Formular abgeschickt” meldest du zurück, was aus dem Lead geworden ist — qualifiziert, Angebot, gewonnen — und mit welchem Wert. Technisch läuft das über den Offline-Conversion-Import: Die Klick-Kennung wandert in dein CRM, und wenn der Vertrieb den Status setzt, geht diese Information zurück an Google Ads. Ab da lernt die Automatik nicht mehr, wer ein Formular ausfüllt, sondern wer unterschreibt.

Zwei Dinge, die dabei regelmäßig schiefgehen: Die Klick-Kennung kommt gar nicht erst im CRM an, weil das Formular sie nicht mitschreibt. Und niemand hat definiert, was „qualifiziert” im Haus eigentlich heißt, weshalb jeder Vertriebler etwas anderes zurückmeldet. Beides ist Handwerk, kein Zufall.

Wenn dieser Teil bei euch niemand übernehmen kann oder will, ist das der Punkt, an dem sich Abgeben rechnet: Du kannst das Conversion-Tracking samt Lead-Phasen einrichten lassen, statt die Gebotsautomatik weiter auf ein Signal lernen zu lassen, von dem du selbst weißt, dass es das falsche ist.

Teil 3: Was nicht hilft

Drei Reflexe, die in dieser Lage regelmäßig kommen und die Sache verschlimmern.

Mehr Budget auf eine kaputte Struktur. Budget ist ein Multiplikator, kein Korrektiv. Wenn dein Konto überwiegend die falschen Suchanfragen kauft, kaufst du mit mehr Geld mehr davon — nur schneller. Der Effekt fühlt sich anfangs sogar richtig an, weil die absolute Zahl der Anfragen steigt.

Auf Klicks optimieren. Klickrate, Klickpreis und Qualitätsfaktor sind Diagnosewerte, keine Ziele. Eine Kampagne auf „Klicks maximieren” umzustellen, weil zu wenig passiert, liefert verlässlich das Gegenteil von dem, was du brauchst: mehr Traffic mit breiterer Absicht. Im B2B ist der teuerste Klick oft der beste, und der billigste ist der, der die Statistik schön macht.

„B2B-Targeting” in der Suche. In Displays und sozialen Netzwerken kannst du nach Unternehmensmerkmalen ausrichten. In der Google-Suche gibt es das so nicht: Du kaufst eine Suchanfrage, keine Zielgruppe. Zielgruppensignale und Kundenlisten helfen als Beobachtung und Gebotsanpassung, aber sie machen aus einer Verbrauchersuche keine Geschäftsanfrage. Wer darauf wartet, dass eine Einstellung das Absichtsproblem löst, wartet auf etwas, das es in diesem Kanal nicht gibt.

Ehrlich dazu gehört auch: Manchmal ist die Antwort, dass die Suche für dein Angebot der falsche Kanal ist, weil schlicht niemand danach sucht. Das ist ein Ergebnis, kein Scheitern — und billiger, wenn es früh feststeht.

Die Checkliste

In dieser Reihenfolge abarbeiten:

  1. 1. Suchbegriffe der letzten 30–90 Tage lesen und nach Job-, Lern- und Verbraucherwörtern sortieren.
  2. 2. Ausschlussliste daraus bauen — und einen festen Termin dafür einrichten, nicht einmalig.
  3. 3. Prüfen, ob Broad Match ohne gepflegte Ausschlussliste läuft. Wenn ja: erst die Liste, dann weiterreden.
  4. 4. Formular gegen den Anlass halten: Fragt es, worum es geht — oder nur nach einer E-Mail?
  5. 5. Anzeige und Landingpage nebeneinander lesen. Verspricht die Anzeige, was die Seite einlöst?
  6. 6. Nachsehen, ob die Klick-Kennung im CRM ankommt. Ohne sie ist keine Rückmeldung möglich.
  7. 7. Definieren, was „qualifiziert” und „gewonnen” im Haus heißen — schriftlich, eine Zeile pro Status.
  8. 8. Lead-Phasen als Conversions zurückspielen und die Gebotsstrategie darauf umstellen.
  9. 9. Erst danach über Budget reden.

Die Punkte 1 bis 5 kosten dich einen Nachmittag und kein Geld. Die Punkte 6 bis 8 sind der Teil, der wirklich etwas verändert — und der Teil, an dem die meisten Konten hängen bleiben, weil er über Google Ads hinausgeht und Website, Formular und CRM berührt.

Viele Anfragen, wenige davon brauchbar?

Im kostenlosen Erstgespräch gehe ich mit dir die Suchbegriffe und die Conversion-Definitionen durch und sage dir, ob dein Problem im Einkauf der Klicks liegt oder in dem, was dein Konto als Erfolg gemeldet bekommt → Kostenloses Erstgespräch. Wer die laufende Steuerung abgeben will, findet unter Google-Ads-Betreuung, was dazugehört.


Daniils Visnakovs

Über den Autor

Daniils Visnakovs

Unabhängiger Sparringspartner für Google-Ads-Wirtschaftlichkeit und Messqualität. Für Google hat Daniils technische Messimplementierungen umgesetzt. Heute hilft er Teams, bessere Entscheidungen zu treffen und das Wissen selbst zu behalten — in 1:1 Beratung, Workshops oder auf der Bühne.