Veröffentlicht: 8. August 2026

Google Ads Audit: So prüft ein Ex-Googler dein Konto wirklich

Ein echtes Google Ads Audit ist mehr als der Optimierungsfaktor. Die konkrete Checkliste, die ich als Ex-Googler bei jedem Konto zuerst durchgehe.

Daniils Visnakovs
· Lesedauer: 8 Min.

Ein Google Ads Audit ist bei den meisten Anbietern eine hübsche PDF mit Ampel-Symbolen und dem Optimierungsfaktor als Kernkennzahl. Das sagt dir wenig bis nichts über den tatsächlichen Zustand deines Kontos — der Optimierungsfaktor ist Googles Wunschzettel, nicht deine Bilanz. Als Ex-Googler gehe ich bei jedem neuen Konto dieselbe Checkliste durch, unabhängig davon, was die Oberfläche selbst als „Score” ausweist. Hier ist genau diese Liste, in der Reihenfolge, in der sie wirklich zählt.

1. Misst das Konto überhaupt richtig?

Bevor irgendetwas anderes Sinn ergibt, muss diese Frage geklärt sein: Weiß das Konto, was ein Erfolg ist? Alles danach — Gebotsstrategie, Struktur, Assets — optimiert sonst auf die falsche Zahl.

  • Conversion Tracking. Zählt das Konto echte Anfragen, Käufe oder Anrufe — oder auch Seitenaufrufe, Formular-Klicks ohne Absenden, Bestätigungsseiten, die man versehentlich zweimal aufruft? Ich habe Konten gesehen, die „Conversions” meldeten, die in Wahrheit Bot-Traffic waren. Ein 15-Minuten-Check reicht, um das selbst zu prüfen.
  • GA4- bzw. Data-Manager-Verbindung. Ist Google Ads sauber mit GA4 verknüpft, oder laufen zwei getrennte Zahlenwelten nebeneinanderher, die am Monatsende nie zusammenpassen?
  • Google Business Profile (GMB) verknüpft. Für lokale Betriebe ist das die Grundlage für Standort-Assets und lokale Kampagnen-Signale — fehlt die Verknüpfung, verschenkst du Sichtbarkeit, die nichts kostet.

Stimmt das Fundament nicht, ist jede weitere Optimierung Kosmetik auf falschen Zahlen.

2. Kann die Kontostruktur überhaupt gute Entscheidungen treffen?

Das ist der Teil, in dem sich die meisten Konten am meisten Geld verbrennen — nicht durch schlechte Anzeigen, sondern durch Struktur, die dem Algorithmus zu wenig oder zu falsche Informationen liefert.

  • Keywords und Anzahl negativer Keywords. Wie granular sind die Keywords gesetzt, und wie umfangreich ist die negative Liste? Zu wenige negative Keywords bedeuten Streuverluste auf Suchanfragen, die nie konvertieren. Zu unüberlegt gesetzte negative Keywords blockieren dagegen die eigenen besten Suchbegriffe — ich habe schon Konten geprüft, die ihre stärkste Anzeigengruppe versehentlich selbst negiert hatten.
  • Semantische Gruppierung der Keywords in Anzeigengruppen. Liegen thematisch verwandte Keywords in derselben Anzeigengruppe mit passender Anzeige, oder wurde alles in eine große Gruppe geworfen? Saubere Semantik ist die Voraussetzung für einen guten Quality Score — dazu gleich mehr.
  • Gebotsstrategie. Läuft „Conversions maximieren” auf einem Konto, das kaum Conversion-Historie hat? Dann rät der Algorithmus, statt zu lernen. Eine automatisierte Gebotsstrategie ist nur so gut wie die Daten, die sie füttern.
  • Standort-Einstellung: Präsenz oder Interesse. Die Voreinstellung „Präsenz oder Interesse” schließt Menschen ein, die sich nur für deine Zielregion interessieren, dort aber nicht sind. Für lokale Dienstleister ist das der schnellste Weg, Budget quer durch Europa zu verteilen.
  • Such- und Display-Netzwerk-Partner. Sind diese Häkchen aktiv, obwohl die Kampagne eigentlich eine reine Suchkampagne sein soll? Partnernetzwerke bringen oft Klicks zu niedrigeren Kosten — aber auch Klicks mit niedrigerer Absicht.

3. Wird das vorhandene Potenzial überhaupt ausgeschöpft?

Selbst mit sauberem Tracking und solider Struktur bleibt oft Potenzial liegen — an Stellen, die niemand regelmäßig kontrolliert, weil sie nicht im Standard-Dashboard auftauchen.

  • Sitelinks und andere Assets. Vollständig ausgefüllt, aktuell, und genutzt? Anruf-Assets, Preis-Assets, Snippets — jedes zusätzliche Asset vergrößert die Anzeige auf der Suchergebnisseite, ohne zusätzliche Kosten.
  • Quality Score. Welche Keywords ziehen den Durchschnitt nach unten, und warum — schlechte Anzeigenrelevanz, schwache erwartete CTR oder eine Landingpage, die nicht zum Suchbegriff passt? Ein niedriger Quality Score bedeutet höhere Klickpreise für dieselbe Position.
  • A/B-Test-Opportunitätskosten. Wie viele Monate läuft dieselbe Anzeige unverändert, ohne dass eine Variante dagegen getestet wird? Jeder Monat ohne Test ist ein Monat, in dem ein potenziell besserer Text ungenutzt bleibt — das ist keine direkte Kostenposition, aber eine reale entgangene Verbesserung.

Fazit

Ein echtes Audit ist keine Momentaufnahme des Optimierungsfaktors, sondern eine Abfolge von drei Fragen: Stimmen die Zahlen? Kann die Struktur damit etwas anfangen? Wird das übrige Potenzial genutzt? Die meisten Konten scheitern schon an Frage eins — und alles, was danach kommt, optimiert auf ein falsches Bild.

Willst du selbst in zwei Minuten sehen, wo dein Konto steht? Der Google-Ads-Einstellungs-Check deckt einen Teil dieser Liste in einem kurzen Selbsttest ab. Und falls du die 5 typischen Fallen kennen willst, in die genau diese Struktur-Fehler führen: Die 5 Lügen von Google Ads.


Daniils Visnakovs

Über den Autor

Daniils Visnakovs

Ex-Google-Berater und Sparringspartner — sein größtes Kundenkonto trackt über 1,5 Mio. € Umsatz pro Jahr. Spezialisiert auf Conversion-Tracking, Google Ads und datenbasiertes Marketing. Hilft Unternehmen, Werbebudgets messbar einzusetzen — in 1:1 Beratung, Workshops oder auf der Bühne.

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