Veröffentlicht: 20. Juli 2026

ROAS berechnen: Formel, Break-even und warum POAS zählt

ROAS berechnen ist eine einfache Formel — profitabel wird es erst mit POAS. Break-even-ROAS aus deiner Marge und wie du Gewinn statt Umsatz an Google und Meta zurückspielst.

Daniils Visnakovs
· Lesedauer: 8 Min.

ROAS berechnen ist die einfachste Rechnung im Performance Marketing: Umsatz geteilt durch Werbekosten. Die ehrliche Frage kommt erst danach — ist dieser ROAS Gewinn oder nur Umsatz-Kosmetik? Ich habe genug Konten gesehen, die auf einen stolzen ROAS optimiert haben und trotzdem Geld verloren. Denn ROAS ist wichtig, aber POAS — Profit on Ad Spend — ist die Zahl, die du wirklich brauchst.

Trag unten deine Marge und deinen ROAS ein. Der Rechner zeigt dir in Sekunden deinen Break-even-ROAS und ob pro 100 € Werbebudget am Ende Gewinn oder Verlust übrig bleibt.

Interaktiver Rechner

ROAS berechnen — und sofort sehen, ob es Gewinn ist

120 €
30 %
4,0

Break-even-ROAS

3,33

100 ÷ Marge — darunter zahlst du drauf

POAS (Profit on Ad Spend)
1,20
Deckungsbeitrag je Bestellung
36 €
Gewinn/Verlust je 100 € Budget
+20 €
Zieh an den Reglern — ich sage dir, ob dein ROAS Gewinn oder nur Umsatz ist.
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1. ROAS berechnen: Formel, Beispiel und dein Break-even-ROAS

Die Formel ist so simpel, dass sie fast enttäuscht:

ROAS = Umsatz ÷ Werbekosten

Gibst du 1.000 € für Google Ads aus und machst damit 4.000 € Umsatz, ist dein ROAS 4 (oder 400 %). Ein Euro Werbebudget bringt vier Euro Umsatz. Klingt gut — sagt aber nichts über Gewinn. Denn in den 4.000 € stecken dein Wareneinsatz, Versand, Retouren und Zahlungsgebühren. Was davon übrig bleibt, hängt allein an deiner Marge.

Genau deshalb ist die zweite Zahl die wichtigere: dein Break-even-ROAS. Das ist der ROAS, ab dem sich die Werbung selbst trägt. Auch hier reicht eine Formel:

Break-even-ROAS = 100 ÷ Marge in %

Ein paar Beispiele, damit das Prinzip klickt:

  • Marge 50 % → Break-even-ROAS 2,0. Alles über 2 ist Gewinn.
  • Marge 30 % → Break-even-ROAS 3,33. Unter 3,33 zahlst du drauf.
  • Marge 20 % → Break-even-ROAS 5,0. Ein ROAS von 4 ist hier bereits Verlust.

Rechnen wir eines komplett durch. Du verkaufst ein Produkt für 100 € und behältst nach Wareneinsatz, Versand und Gebühren 30 € — also 30 % Marge. Dein Break-even-ROAS ist 100 ÷ 30 = 3,33. Bei einem tatsächlichen ROAS von exakt 3,33 machst du pro 100 € Werbebudget genau null Gewinn: 333 € Umsatz, davon 30 % Marge sind 100 € Deckungsbeitrag, minus 100 € Werbekosten bleibt null. Erst darüber verdienst du wirklich Geld. Genau diese Kette nimmt dir der Rechner oben ab — er zieht aus deiner Marge sofort den Break-even und sagt dir, auf welcher Seite dein aktueller ROAS steht.

Das ist der entscheidende Punkt: Derselbe ROAS von 4 ist für den einen Shop ein Gewinn-Feuerwerk und für den anderen ein Verlustgeschäft. Wer nur „ROAS berechnen” sagt und dann auf einen pauschalen Zielwert optimiert, ignoriert genau die Marge, die über Gewinn oder Verlust entscheidet.

Und was ist jetzt ein guter ROAS? Die ehrliche Antwort: Die Frage ist falsch gestellt. Es gibt keinen universell guten ROAS — es gibt nur einen ROAS über oder unter deinem Break-even. Ein ROAS von 8 kann bei 8 % Marge ein Verlust sein, ein ROAS von 2,5 bei 60 % Marge ein Traumwert. Deshalb ist die erste Zahl, die du berechnest, nie der ROAS selbst, sondern dein Break-even.

Für Leadgen gilt dasselbe spiegelbildlich, nur über den CPA statt den ROAS: Auftragswert × Marge ergibt den Betrag, den ein Lead dich maximal kosten darf. Beide Sichtweisen beschreiben dieselbe Wirtschaftlichkeit — einmal als Verhältnis, einmal als Kostengrenze.

2. ROAS ist wichtig, aber POAS ist was du brauchst

Jetzt zum Kern. ROAS ist eine Umsatzkennzahl, kein Gewinnmaß. Er behandelt einen Euro Umsatz auf dem margenschwachen Billigprodukt exakt gleichwertig wie einen Euro auf dem Margen-Champion. Und genau hier fangen die teuren Fehlentscheidungen an — besonders beim Blended ROAS, also dem über alle Produkte gemittelten Wert.

Ein Blended ROAS kann richtig gut aussehen und trotzdem ein Konto ins Minus ziehen. Das typische Muster: Ein rabattierter Bestseller mit dünner Marge macht enormen Umsatz. Er hebt den durchschnittlichen ROAS über alle Kampagnen sichtbar an — im Report leuchtet alles grün. Nur kostet dich jeder verkaufte Artikel dieses Produkts real Geld, weil der Deckungsbeitrag nach Rabatt unter null rutscht. Der ROAS ist margen-blind: Er sieht den Umsatz, nicht den Verlust dahinter. Manche Produkte sehen im Blended ROAS also stark aus und treiben in Wahrheit negativen Gewinn.

POAS dreht die Perspektive um. Statt „Wie viel Umsatz pro Werbeeuro?” fragst du „Wie viel Gewinn pro Werbeeuro?”.

POAS = Deckungsbeitrag ÷ Werbekosten

Ein POAS von 1 heißt: Du machst mit der Werbung plus/minus null. Alles darüber ist echter Gewinn, alles darunter ein Zuschussgeschäft — egal, wie hübsch der ROAS daneben aussieht. Sobald du auf POAS schaust, siehst du sofort, welche Produkte, Kampagnen und Suchbegriffe dein Konto wirklich tragen und welche nur so tun als ob.

Ein Rechenbeispiel für diesen blinden Fleck: Kampagne A macht 10.000 € Umsatz bei 70 % Marge, Kampagne B ebenfalls 10.000 € Umsatz, aber nur 10 % Marge — beide bei je 2.500 € Werbekosten, also jeweils sauber ROAS 4. Der Blended ROAS über beide ist damit exakt 4. Aber: Kampagne A liefert 7.000 € Deckungsbeitrag (POAS 2,8 — satter Gewinn), Kampagne B nur 1.000 € bei 2.500 € Kosten (POAS 0,4 — 1.500 € Verlust). Zusammen sieht das Konto mit ROAS 4 kerngesund aus, während die Hälfte des Budgets Geld verbrennt. Der Durchschnitt versteckt den Verlierer — und ein ROAS-Ziel würde Kampagne B im Zweifel sogar hochskalieren, weil sie „performt”.

Der Punkt ist nicht, dass ROAS eine schlechte Zahl ist. Für einen Shop mit über alle Produkte hinweg konstanter Marge ist ein ROAS-Ziel völlig in Ordnung, weil ROAS und POAS dann parallel laufen. Das Problem entsteht, sobald deine Marge zwischen den Produkten auseinanderdriftet — 25 % auf der einen SKU, 65 % auf der anderen. Und genau das ist bei den allermeisten Sortimenten der Fall.

3. Umsatz oder Gewinn an Google und Meta zurückspielen

Wenn POAS die bessere Zahl ist, dann willst du nicht nur nachträglich darauf schauen — du willst, dass Google und Meta von vornherein darauf bieten. Und hier liegt der eigentliche Hebel: Beide Plattformen optimieren auf den Conversion-Wert, den du ihnen zurückspielst. Standardmäßig ist dieser Wert der Umsatz (der Warenkorbwert). Genau das kannst du ändern.

Statt den Umsatz übergibst du den Deckungsbeitrag — den echten Profit pro Bestellung nach Abzug von Wareneinsatz, Versand, Retouren-Wahrscheinlichkeit und Zahlungsgebühren. Ab diesem Moment bekommt Smart Bidding für jede Conversion ein ehrliches Signal:

  • Der rabattierte margenschwache Bestseller meldet plötzlich einen mickrigen Wert zurück — der Algorithmus hört auf, ihn hochzuskalieren.
  • Das margenstarke Produkt meldet einen fetten Deckungsbeitrag — und genau das bekommt mehr Budget und aggressivere Gebote.

Du steuerst dein ganzes Konto auf Gewinn, ohne eine einzige Kampagne manuell umzubauen. Praktisch führen zwei Wege dorthin:

  1. Wert direkt überschreiben: Du gibst beim Auslösen des Kauf-Events den Deckungsbeitrag statt des Umsatzes mit. Auf der Meta-Seite läuft derselbe Wert über die Conversions API als value server-seitig mit — Consent vorausgesetzt.
  2. Server-seitige Wert-Anpassung: Du lässt den Umsatz im Frontend stehen und korrigierst den Wert nachgelagert — über einen Server-Side-GTM-Container oder über Conversion Value Rules in Google Ads, die den Wert nach Produkt, Marge oder Segment anpassen.

Wer das nicht selbst bauen will, nutzt eine dedizierte Profit-Plattform. ProfitMetrics (profitmetrics.io) ist so ein Beispiel: Das Tool zieht deine Kostenpositionen zusammen, errechnet den Deckungsbeitrag pro Bestellung und spielt diesen Profit-Wert server-seitig als Conversion-Wert an Google und Meta zurück. Ob du baust oder mietest, ist eine Frage von Kontrolle gegen Geschwindigkeit — das Prinzip bleibt identisch: Der Wert, auf den die Gebotsstrategie optimiert, ist dein Gewinn, nicht dein Umsatz.

Eine Voraussetzung steht über allem: sauberes, vollständiges Tracking. Wenn schon der Umsatz falsch oder lückenhaft gemessen wird, hilft dir auch der schönste Margenwert nichts. Wie du Profit sauber statt Umsatz einspielst, habe ich im Detail unter E-Commerce Profit Tracking beschrieben.

→ Noch ein Hebel, der direkt auf deine Wirtschaftlichkeit einzahlt, bevor du am Bidding drehst: Läuft dein Google Shopping über den Standard-CSS von Google, zahlst du rund 20 % zu viel pro Klick. Ein CSS-Partner senkt deine Shopping-CPCs bei gleicher Anzeigenposition — das verbessert jeden ROAS und POAS sofort, ganz ohne neues Tracking.

Fazit

ROAS berechnen ist eine Zeile Mathe. Die Zahl richtig zu deuten ist die eigentliche Arbeit — und da trennt sich datenbasiertes Marketing vom Bauchgefühl.

Die drei Take-aways:

  • Rechne immer den Break-even-ROAS mit. 100 ÷ Marge sagt dir, ab welchem ROAS ein Produkt überhaupt Gewinn macht. Ohne diese Zahl ist jeder ROAS-Zielwert geraten.
  • Trau dem Blended ROAS nicht. Er ist margen-blind. Produkte, die im Durchschnitt stark aussehen, können pro Verkauf Verlust machen — nur POAS zeigt es dir.
  • Spiel Gewinn statt Umsatz zurück. Übergib den Deckungsbeitrag als Conversion-Wert an Google und Meta — per Server-Side-GTM, Value Rules oder einer Profit-Plattform. Ab da optimiert dieselbe KI auf deine Marge statt gegen sie.

Wer auf Gewinn optimiert, während der Wettbewerb auf Umsatz bietet, kauft dieselben Klicks profitabler ein. Das ist der ganze Trick.


Daniils Visnakovs

Über den Autor

Daniils Visnakovs

Ex-Google-Berater und Sparringspartner — sein größtes Kundenkonto trackt über 1,5 Mio. € Umsatz pro Jahr. Spezialisiert auf Conversion-Tracking, Google Ads und datenbasiertes Marketing. Hilft Unternehmen, Werbebudgets messbar einzusetzen — in 1:1 Beratung, Workshops oder auf der Bühne.

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